Filme

Vietnam erscheint auf den ersten Blick als eher exotisches Fernseh- und Filmeland, ist in Wirklichkeit aber schon viel öfter über die europäische Mattscheibe geflimmert, als man denkt. Vor allem der Vietnamkrieg ist auch ein gutes halbes Jahrhundert nach seinem Ende noch immer ein beliebtes Sujet im amerikanischen Kino und hat so einige Filmeklassiker der vergangenen Jahrzehnte hervorgebracht, die sich für den Actionfilmliebhaber ebenso eignen wie für den geschichtsinteressierten Kinogänger.

Die Rezeption des Vietnamkrieges war und ist eine zwiespältige. Vom Schicksal der Kriegsveteranen bis hin zur unbeliebten Rekrutierungspolitik der USA und dem Widerwillen der jungen Generation gegen den Vietnamkrieg finden sich zahlreiche – wenn auch überwiegend amerikazentrierte – Sichtweisen auf den Krieg, die häufig mit Starbesetzung aufwarten können. So hat sich nicht nur Tom Hanks in „Forrest Gump“ (1994) auf herzerwärmend-komische Art und Weise in die Tiefen des vietnamesischen Dschungels begeben, sondern haben auch Mel Gibson in „Wir waren Helden“ (2002) und Robin Williams in „Good Morning, Vietnam“ (1987) memorable Portraits von amerikanischen Kriegshelden abgeliefert. Während in Mel Gibsons Blockbuster die Kriegs- und die Heimatfront eine gleichwertige, dramatisch aufgearbeitete Darstellung finden und der bereits im Titel angedeutete Heroisierungsmodus aufs Vollste ausgekostet wird, nähert sich „Good Morning, Vietnam“ auf eher ungewöhnlichem Terrain der Kriegsthematik und repräsentiert den Alltag eines amerikanischen Radioreporters im Krisengebiet, dessen zu realistische Berichterstattung ihm Probleme mit seinen Vorgesetzten bereitet. Beide Filme bestechen mit optisch eindrucksvollen Szenen und erstklassigen Soundeffekten, die den Zuschauer geradewegs mit ins Geschehen befördern.
Zu den älteren, darum aber nicht weniger empfehlenswerten Vietnamkriegsfilmen zählen Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) und der auf den realen Kriegserfahrungen eines jungen Rekruten basierende Streifen „Full Metal Jacket“ (1987). Als einer der realistischsten Vietnamkriegsfilme überhaupt gilt das mit 4 Oscars ausgestattete Drama „Platoon“ (1986), das ebenfalls auf den Memoiren eines Kriegsteilnehmers beruht und den Horror sowie die moralischen Herausforderungen des Krieges in bewegenden, eindrucksvollen Bildern festhält. Weniger realistisch, dafür aber ähnlich erfolgreich war auch der zweite Teil der „Rambo“-Serie (1985), in dem sich Sylvester Stallone auf Alleingang dem vietnamesischen Gegner widmet. Sowohl Platoon als auch Rambo wurden später erfolgreich als Videospiele umgesetzt.
Eine moderne und überraschend musikalische Fassung des Vietnamkriegs bietet schließlich der 2005 erschienene Film „Across the Universe“, der einige der größten Beatles-Hits zu einer musikalischen Erzählung über die freiheitsliebende Generation der 60er Jahre, aber auch die Heimatfront und die Sinnlosigkeit des Vietnamkrieges vereint. Zwar dreht sich der Film nicht ausschließlich um das Kriegsgeschehen, vermittelt aber sehr nachdrücklich die Protestbewegung der jungen amerikanischen Bevölkerung und das Schicksal der traumatisierten Kriegsheimkehrer.

Das vietnamesische Kino selbst beschäftigt sich ausgesprochen wenig mit dem Thema des Vietnamkriegs. Stattdessen überwiegen Filme über gesellschaftliche Einzelschicksale und die Kolonialzeit Vietnams, wie sie zum Beispiel in „Der Duft der grünen Papaya“ (Originaltitel: Mui Du Du Xanh, 1993), einer Geschichte über die schicksalsträchtige Entwicklung eines Waisenmädchens zur Frau, und in „Der Rebell“ (Originaltitel: Dong Mau Anh Hung, 2007), einem Film über Liebe und Patriotismus zur Zeit der französischen Oberherrschaft, miterlebt werden können.

 
Folge uns auf Twitter