Kriegsopfermuseum Ho Chi Minh

File 1194Wer sich für die jüngste Geschichte Vietnams interessiert, der sollte einen Besuch im Kriegsopfermuseum von Ho Chi Minh Stadt keinesfalls verpassen: in tragischer Schärfe finden hier der Kriegsverlauf sowie die Schicksale seiner Opfer eine multimediale Aufbereitung, die für Neulinge in der vietnamesischen Geschichte ebenso viel spannendes bereit hält wie für bewanderte Historiker.
Ursprünglich trug das Museum den Namen „Museum für amerikanische Kriegsverbrechen“ - im Zuge der Verbesserung der amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen wurde ihm in den 1990ern Jahren aber sein heutiger, neutralerer Titel verliehen. Eine gewisse propagandistische Färbung lässt sich mit Hinblick auf die Exponate aber dennoch feststellen: so liegt der Fokus der Ausstellungen weiterhin recht einseitig auf den Kriegsverbrechen der amerikanischen Soldaten an der vietnamesischen Zivilbevölkerung und werden die Vorgehensweisen der Vietcong eigentümlich außen vor gelassen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch im Museum – zumindest die vietnamesische Wahrnehmung des Geschehenen wird man nirgendwo umfassender zu Gesicht bekommen als hier.
File 1242Touristen erwartet bei einem Besuch zunächst ein weitläufiges Museumsgelände, auf dem verschiedenste Kriegsmaschinerie – darunter Panzer, Helikopter und eine große Sammlung an Fehlzündern – aus nächster Nähe betrachtet und zu Fotozwecken genutzt werden können. Im Anschluss daran lädt das moderne Museumsgebäude selbst zu einem Rundgang durch seine mehretagige und medial überaus gut aufbereitete Ausstellung ein. Das umfangreiche Bildmaterial befasst sich unter anderem mit so zentralen Themen wie dem My Lai Massaker, den Folgen von Napalm- und Agent Orange-Einsätzen für Kinder und Erwachsene und dem Medienwiderstand des Westens während der Hochphase des Krieges. Zusätzlich zählen auch Folterwerkzeuge wie die für menschliche Gefangene genutzten Tigerkäfige und eine Guillotine zu den Exponaten.
Die gesamte Ausstellung des Kriegsopfermuseums ist mit Beschreibungen in vietnamesischer und englischer Sprache ausgestattet. Viele der gesammelten Exponate sind auch für Besucher mit einem fundierten Vorwissen über den Vietnamkrieg äußerst bewegend, sodass ein Besuch in diesem Museum leicht zum emotionalsten Teil einer Vietnamreise werden kann. Lassen Sie sich davon aber im Zweifelsfall nicht abschrecken – vieles von dem, was im Kriegsopfermuseum dargestellt ist, hilft dabei, das heutige Vietnam besser kennen- und die Mentalität seiner Menschen verstehen zu lernen.

 
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