Notre Dame Ho Chi Minh

File 1206Ein vietnamesisches Notre Dame? In Ho Chi Minh Stadt ist dieser Gedanke bereits Alltag: die katholische Kathedrale der Stadt ist nicht nur die Lieblingsattraktion ihrer Einwohner, sondern auch ein einmaliges Beispiel französischer Kolonialarchiektur im Herzen Vietnams. Inmitten des Häusermeers von Ho Chi Minh Stadt wirkt das europäische Antlitz der Basilika für den westlichen Besucher überraschend vertraut und verleiht dem Stadtbild einen willkommenen Hauch an Heimatgefühl.

Die Geschichte der Kathedrale reicht zurück ins 19. Jahrhundert und zu den Anfängen der französischen Kolonialherrschaft in Vietnam. Nach der vollständigen Eroberung des Landes in den 1880er Jahren sah man es an der Zeit, den Städten Conchinchinas auch architektonisch eine Note französischer Kultur, Religiösität und Zivilisation zu verleihen - unter anderem durch die Errichtung einer katholischen Kathedrale im damaligen Saigon. Der logistische Aufwand für diesen Bau war enorm: alle Baubestandteile einschließlich Backsteinziegel, Marmor und Mosaikfenster wurden über den Wasserweg aus Frankreich ins Land gebracht und erst dort verarbeitet. Eröffnet wurde die Kathedrale dann im Jahr 1886; die beiden Glockentürme wurden neun Jahre später zum Bauwerk hinzugefügt.
File 966Heute erhebt sich die Kathedrale mit einer Höhe von 60 Metern ehrerbietig im Zentrum Ho Chi Minh Stadts und ist nicht nur Zeuge des Niedergangs der französischen Kolonialherrschaft, sondern auch des Zweiten Weltkriegs und des Vietnamkriegs geworden. Infolge der wiederholten Bombardierungen sind die kostbaren Mosaikfenster der Kathedrale inzwischen zerstört worden, doch Ho Chi Minhs Notre Dame strahlt auch ohne sie eine andächtige und friedvolle Atmosphäre aus, die Einheimische und Touristen gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen weiß.
Im Gegensatz zum prunkvollen Äußeren der Kathedrale ist deren Inneres vergleichsweise schlicht und bescheiden gehalten. Den Vorhof schmückt seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine aus Rom stammende Marienfigur, die im Jahr 2005 Gegenstand eines – vom Vatikan allerdings nicht anerkannten – Wunders wurde, als die Statue begann, Tränen zu vergießen. Dieser Vorfall hat die Popularität der Kathedrale bei den Einheimischen nur noch erhöht, doch auch zuvor galt Ho Chi Minhs Notre Dame bereits als beliebter Treffpunkt für die junge wie alte Stadtbevölkerung und als überaus populäres Fotomotiv für frischvermählte Brautpaare.
Der Eintritt in die Basilika ist kostenlos; Messen werden auch auf Englisch verlesen.

 
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